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I N    M E M O R I A M

 

 


   
Zum Tod von Brigitte Theler
 
 
1959
2007
 
 
Am 13. Dezember 2007, zwei Tage nach der exakten Jupiter/ Pluto-Konjunktion, ist die langjährige Redaktorin des Magazins von ASTROLOGIE HEUTE, Brigitte Theler, in München an einer schweren Krankheit gestorben. Claude Weiss, Verena Bachmann und Armando Bertozzi verabschieden sich auf persönliche Weise von ihrer Mitarbeiterin und guten Freundin.


 
Wenn der Gott des Himmels mit dem Gott der Unterwelt zusammenkommt
 
von Claude Weiss
 
Brigitte Theler hat uns im Dezember verlassen, was mich mit tiefer Trauer erfüllt. Jupiter und Pluto trafen sich zu jenem Zeitpunkt auf ihrer Himmelsmitte (Fig.1), und dies wiederum bringt sehr schön zum Ausdruck, mit welchen Welten Brigitte in Kontakt stand.

 
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Brigitte Theler
1. 2. 1959, 9.40 LT, 8.40 GT
Zürich, CH (47N23, 8E32)
Koch
 
Ich begegnete Brigitte erstmals vor 20 Jahren, als sie einen meiner Anfängerkurse in Astrologie im Hotel Gotthard in Zürich besuchte. Gleich fiel sie mir auf als ungewöhnliche Frau mit einer starken, etwas exotischen Ausstrahlung. Als ich auf sie zuging, eröffnete sie mir, dass sie von ihrem Bruder, der bei unserer Hausbank die Verbindung mit uns betreute und mit dem ich mich sehr gut verstand, ein Astrologie-Buch von mir erhalten habe. Um die Beziehung zwischen uns von Anfang an ins rechte Licht zu rücken, folgte dann gleich eine kleine Provokation, die man aber auch als verkappte Anerkennung deuten kann. Brigitte meinte, es sei sonst nicht ihre Art, zum «Marktleader» zu gehen, aber sie sei hier, um sich ein Bild zu machen. In diesem Moment konnte man spüren, wie ihre Wassermann-Sonne in Opposition zum Uranus ihren Anspruch auf einen eigenen Weg einforderte.
 
In der Folge genossen wir zusammen nach den Kursen im Hotel Gotthard häufig ein spätes Abendessen und führten dabei philosophische Gespräche. Gleichzeitig entdeckten wir aufgrund unserer Herkunft Gemeinsamkeiten unserer Ursprungsfamilien. Sie stammte aus dem Wallis, während meine mütterliche Linie aus Savoyen kommt. Beides sind Berggegenden, in denen der Überlebenskampf den Menschen früher viel Zähigkeit abforderte, was das Zusammenhalten innerhalb der Sippe ebenso verstärkte wie die Fähigkeit, sich an den schönen Dingen des Diesseits zu erfreuen. Wir entdeckten, wie wir beides Kinder einer Kultur waren, in welcher das Irrationale und Schicksalhafte stets präsent war, unser geistiges Streben jedoch eine starke Suche nach Erkenntnis auslöste. Durch Gespräche bei Wein und Speise über Leben und Tod fühlten wir uns familiär verbunden.
 
Brigittes Fähigkeit, Tiefen – zuweilen sogar Abgründe–auszuloten und gleichzeitig einen wachen Blick für schöpferische Potenziale zu entwickeln, vertiefte sie neben den Studien der Astrologie sehr bald durch eine Ausbildung in Psychosynthese. Überhaupt befand sie sich in einem dauernden Lernprozess, was ihr eine grosse Lebendigkeit vermittelte. Unter diesen Umständen und von ihren Fähigkeiten begeistert, war es naheliegend, dass ich Brigitte Anfang der 90er-Jahre eine ganze Reihe von Astrologie-Anfängerkursen abtrat, die ich damals im Rahmen der Astrodata gab. Bald kam auch die Betreuung des Magazins von Astrologie Heute hinzu, eine Aufgabe, die sie mit grossem Engagement und viel Kreativität erfüllte und der sie bis zum Schluss, weniger als ein halbes Jahr vor ihrem Tod, treu blieb. In solchen Situationen zeigte sich, wie sehr sich Brigitte zusätzlich zu ihren psychologischen und spirituellen Fähigkeiten durch Zuverlässigkeit, Beharrlichkeit und Perfektionsanspruch auszeichnete – eine Gabe, die ihr Saturn am MC vermittelte.
 
Vielleicht ergab sich daraus zuweilen aber auch ein Motiv der Überforderung. Gerne wäre sie leichtfüssig und spielerisch durch die Welt geschritten, aber ihr Pflichtgefühl hinderte sie häufig daran, dies zu tun. Wir werden nie wissen, ob die Krankheit, die sie schliesslich dahinraffte, aus einer Spannung zwischen solchen schwer miteinander zu vereinbarenden Seiten ihrer Persönlichkeit hervorging.
 
Gross war jedenfalls für meine Partnerin Alexandra, für die Teams von ASTROLOGIE HEUTE und SFER und für mich selbst der Schock, als wir im Herbst 2001 erfuhren, dass Brigitte am Vorabend des ominösen 11. September – sie weilte zu jener Zeit mit ihrem Partner Hajo Banzhaf in den USA – erste Symptome entwickelte, die dann zu einer Operation mit Entfernung eines Hirntumors führten. Seit jener Zeit lebte sie wie unter einem Damoklesschwert, nie wissend, ob und wann sich der ungebetene Gast – dieses «es», das in ihrem Hirn Platz genommen hatte – wieder melden und Aufmerksamkeit erheischen würde. Es gab in dieser Zeit bis zum letzten Jahr Phasen von Optimismus und Zuversicht, ebenso wie wichtige geistige Prozesse, die stattfanden, und es sah im Dezember 2006 sogar so aus, als sei das Problem, zumindest für die nächsten Jahre, im Griff. Dies war leider eine Fehldiagnose, und die Symptome meldeten sich im Februar 2007 mit voller Wucht und nun «bösartig» zurück.
 
Uns, die wir Brigitte kannten und liebten, erfüllt ein tiefer Schmerz. Obwohl die traurige Entwicklung im letzten Halbjahr abzusehen war, hinterlässt ihr Tod für uns, die sie privat und beruflich kannten und liebten, eine schmerzliche Lücke. Als Trost verbleibt uns, dass
sie bis zum Schluss von ihrem Mann Hajo Banzhaf und Freunden liebevoll gepflegt wurde und zu Hause in Hajos Armen sterben durfte.


 
Ihr Funke leuchtet weiterhin
 
von Verena Bachmann
 
Das Leben spielt nach seinen eigenen Regeln, nicht nach denen, die wir gerne hätten. Dieser Satz begleitet mich, wenn ich an Brigitte denke. Sie war eine besondere Persönlichkeit; ihr Wesen hat viele Menschen berührt, ihr Dasein Spuren hinterlassen, die bleiben.
 
Eine davon betrifft die Schule für Erwachsene. In der SFER hat sie fast 19 Jahre lang, ganz getreu ihrem Sonnenzeichen Wassermann, eine aussergewöhnliche Rolle gespielt. Sie begann 1989 als Studentin. Ihre Klasse bleibt mir bis heute als ganz besondere in Erinnerung. Ihre temperamentvolle und kreative Art war daran massgeblich mitbeteiligt. Auch wenn sie sich selbst als zurückhaltend beschrieb, sie liess niemanden kalt, sorgte immer wieder für Überraschungen und intensive Momente.
 
Brigittes grosses Astrotalent zeigte sich darin, dass sie als eine der wenigen Studenten nach drei Jahren das Beraterdiplom errang und ihre Lehrbegabung sehr schnell in erfolgreichen astrologischen Kursen auslebte. Sie ging dabei immer ihren eigenen Weg – blieb der SFER jedoch all die Jahre verbunden, als Gastlehrerin, Supervisorin und Teamkollegin. Sie nannte sich mit ihrem unvergesslichen Lachen «die gute Tante» der SFER. Sie wird uns fehlen.
 
Brigitte hat viele Menschen inspiriert, ermutigt, herausgefordert und mit ihrer Mischung aus Leidenschaft, Spontaneität, treffendem Humor dem Leben gedient. Mir persönlich bedeuteten auch ihre Fähigkeit zu tiefem Mitgefühl und ihre absolute Loyalität sehr viel. In der Zeit des Abschieds hat sie immer wieder betont, wie wichtig ihr ein spiritueller Weg sei, dass sie diesem folgen wolle, auch wenn es auf Kosten der Astrologie gehe. Ich glaube, sie ist diesem Weg bis zuletzt treu geblieben. Ihr Funke leuchtet weiterhin, die von ihr gesäten Samen werden keimen.
 

 
Brigittes langer Heimgang
 
von Armando Bertozzi
 

Brigittes langer Heimgang und ihre schwere Krankheit haben uns alle, die sie kannten, bewegt, erschüttert und traurig gemacht. Aber auch tiefe, innigste Gefühle der Zuneigung, der Liebe und Freundschaft empfinden lassen. Als vor bald einem Jahr ihr Zusammenbruch in der trostlosen Diagnose von ihrem baldigen Tod mündete, hat sie die Hoffnung nicht aufgegeben. Die Hoffnung, diesen Engel, der so viel Mut von uns fordert. Sie hatte den Mut, sich nicht in die Resignation, aber in das Leben, in die Zeit, die ihr verblieb, fallen zu lassen. Das hat mir persönlich sehr viel Trost und Kraft gegeben.
 
Sie hat uns alle damit getröstet und aufgerichtet. Sie hat getragen, nicht ertragen. Uns mitgetragen, die wir hilflos danebenstanden. Das fatale Urteil war auf einer geistigen Ebene wie eine Befreiung für sie, eine Erlösung von der Enge der üblichen verdrängten Furcht, der wir uns alle zu sehr unterwerfen. Sie ging wassermännisch voran. Solange sie konnte, trug sie die Fahne der Hoffnung, des Glaubens an das Wunder der Verwandlung, an das unsterbliche Licht der Seele, an den verborgenen Sinn unseres Lebens.
 
Sie verpuppte sich. Sie wurde aber keine andere, nur immer mehr sich selbst, eine Närrin im besten Sinne, die sich Verrücktheiten leistete und den Finger auf die wunden Punkte unseres auf Widerruf gepachteten Lebens legte. Aufgekratzt und manchmal wild von einer Idee zum nächsten Irrsinn springend, spiegelte sie in ihrer entwaffnenden Offenheit ihre ganze, schöne, runde Seele; ihr unschuldiges Wesen, ihre tiefe Freude an der Begegnung mit einem Du. Für ihre Nächsten, die tagtäglich bei ihr waren, mag es wohl nicht immer einfach gewesen sein, diesen Husarenritt der Gefühle mitzumachen und von ihrem Schnellzug, der aus den Schienen des gewohnten, behäbigen Lebens sprang, nicht runterzufallen.
 
Es stand aber eine Botschaft hinter ihrer rastlosen Intensität, hinter ihrem Beharren auf einer spirituellen Sicht. Ausgelöst von ihrer Krankheit, war es kein fremdes Wesen, das sie annahm, sie entschied sich für ihr freies inneres Kind. Keine hadernde, kleinliche, enge Seele kam da zum Vorschein. Eine verdichtete Brigitte wurde sie, die die Essenz der Lebenszeit, die sie nicht mehr hatte, vorwegnahm. Solange sie konnte.
 
Das letzte Drittel ihrer Zeit des bewussten Abschieds von dieser Welt ging sie ohne uns, nur mit wenigen Menschen, ihrem Mann Hajo vor allem. Sie hat ihm alles zugemutet. Und er hat alles angenommen. Beides hat meine Bewunderung.
 
Wir wissen nicht, durch welche Höllen oder Himmel ein Mensch geht, der den Tod auf sich zukommen sieht, immer ferner den Gefährten, den Lieben, den Mitmenschen, die bei ihm waren oder noch sind. Bis er auf ihn zugeht und ihn umarmt: den Gevatter Tod. Man sagt, die Seele steige hoch durch alle Planetensphären bis in jenen Bereich, von dem wir keine Ahnung haben. Ausser vielleicht jene, die abzulesen ist aus dem sanften, befreiten, etwas spöttischen Lächeln der Toten im Antlitz ihrer erstarrten Züge. So auch bei Brigitte.
 
Brigitte: ein Mensch, der sich uns zutraute.
 
In München, an jenem traurigen, kalten Tag der Abdankung für Brigitte. Das kurze Licht der Wintersonnenwende. Das Glitzern des Reifs in den Bäumen. Die Kühle, die aus dem Boden in die Beine kroch. Der Singsang und die Kerzen im Sand. Das Bild eines lächelnden Menschen, den wir gerne haben durften, der sich uns verschenkte. Die Erinnerung, die uns bleibt und uns mit Wärme umhüllt. Ein Mensch, der uns begleitet hat.
 
Auch ich durfte Brigitte kennenlernen.

 

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