HOME ASTRODATA BÜCHER SFER
klicken Sie um das Bild zu vergrössern
zurück
 
Heftnummer 99 bestellen
 
Artikel drucken


REFLEXE - REFLEXIONEN

Von Pluto berührt - 
Eindrücke von der United Astrology Conference 2002

Ich sass beim Frühstück und schob mir gerade ein Stück Wassermelone in den Mund. Da näherte er sich mir von hinten. Als er seine Hand auf meine Schulter legte, drehte ich mich unvermittelt um und schaute in seine riesigen Kulleraugen. Wir rieben unsere Nasen aneinander, doch unser Tête-à-tête wurde jäh unterbrochen. Eine Schar von Kindern hatte ihn erblickt. Mit ihren sehnsüchtigen Rufen zogen sie seine Aufmerksamkeit auf sich und von mir weg. Glückliche, unschuldige Kindheit, wenn der Name des Herrn der Unterwelt lediglich die Assoziation einer kläffenden, aber durchaus liebevollen vierbeinigen Comicfigur weckt.

v.l.n.r.: Michael Lutin, Lynn Bell, Richard TarnasZum Pluto noch mal, denken sie jetzt vielleicht, was hat Astrologie mit Disneyworld zu tun? Auf den ersten Blick eigentlich nichts. Doch Pluto herrscht ja bekanntlich über die Finanzen, und die sind im Land von Mickey Mouse und Co. in Zeiten mit schwachen Besucherzahlen günstig – jedenfalls was die Hotel- und Konferenzbedingungen anbelangt. Und so landet man, wenn man heutzutage an einen Astrologiekongress in die Vereinigten Staaten reist, garantiert im Dunstkreis irgendeines Disneyparks. Und so fanden sich denn zwischen dem 18. und 24. Juli 2002 131 Referenten aus neun Ländern (USA, Kanada, Mexiko, England, Dänemark, Frankreich, Niederlande, Schweiz und Australien) sowie 750 Besucher zum bekanntesten und grössten amerikanischen Astrologiekongress, der United Astrology Conference (UAC) im Wyndham Palace Hotel im Disneypark Orlando, Florida, ein.

UAC – der Name ist Programm. Er steht seit anderthalb Jahrzehnten für höchste Qualität und perfekte Organisation. Das Ganze stets veredelt mit gekonnten Unterhaltungs- und Showeinlagen. Doch kommt Zeit, kommt Pluto – sprich, alles hat ein Ende und manchmal auch einen Neubeginn. So musste die UAC vor gut einem Jahr einen schmerzlichen Verlust verkraften: Im Mai 2001 verstarb die Grande Dame der Organisation, Marion D. March. Dank ihrer Persönlichkeit und aufgrund des grossen Ansehens, das sie in der amerikanischen Astrologieszene genoss, gelang es ihr, die verschiedenen Strömungen und Interessen stets zu bündeln. Nach dem letzten UAC 1998 in Atlanta mussten die drei Organisationen AFAN, NCGR und ISAR sich diesmal neu zusammenfinden, was ihnen zunächst nicht ganz einfach fiel. Nach einigen internen Querelen – die Durchführung des Kongresses stand zeitweilig auf Messers Schneide – fand man schliesslich doch noch eine einvernehmliche Lösung: Man übergab die Leitung des Kongresses der Astrologin Laura N. Gerking aus Seattle. Die attraktive Powerlady – ihre Funktion als «Queen of Everything» unzweideutig ans Revers geheftet – bestand zusammen mit den zahlreichen freiwilligen Helfern und Helferinnen die Feuertaufe. Auch wenn man punkto Organisation und Kommunikation noch nicht an frühere UAC-Zeiten anknüpfen konnte – vor allem mit der Kommunikation stand man so manches Mal auf Kriegsfuss –, vermochten die Verantwortlichen einen gelungenen Kongress auf die Beine zu stellen.Nicholas Campion

Beeindruckend war vor allem das reichhaltige und vielfältige Kongress-Programm. Nicht weniger als zwischen zwölf Parallelvorträgen – geordnet nach ebenso vielen Themengebieten, so genannten «Tracks» – konnte der Besucher wählen. Die grosse Zahl der Referenten sowie das üppige Vortragsangebot liessen keinen Zweifel daran, dass man ursprünglich mit mehr Besuchern gerechnet hatte als schliesslich kamen – in der Vergangenheit hatte die UAC stets doppelt so viele Interessierte angezogen. Der 11. September sowie die hohen Börsenverluste in den letzten Monaten bewirkten bei vielen amerikanischen Astrologen(innen) offensichtlich eine zögerliche Reise- und Ausgabefreudigkeit. Das führte dazu, dass auch sehr bekannte Referenten(innen) zuweilen vor einer recht kleinen Gruppe von Zuhörern dozierten.

Dabei las sich die Referentenliste wie ein astrologisches Who’s who. Die weitaus grösste Gruppe stellten naturgemäss die Gastgeber. Namen wie Jeff Jawer, Tad Mann, Ray Merriman, Alan Oken, Glenn Perry, Barbara Schermer, Erin Sullivan, Rick Tarnas, Angel Thompson oder Noel Tyl dürften aufgrund der vergangenen Weltkongresse in Zürich und Luzern auch den meisten Astrologen hierzulande bekannt sein. Der deutsche Sprachraum hingegen war nur durch die Schweiz mit Verena Bachmann, Elizabeth Teissier und Claude Weiss vertreten. Aus dem restlichen Europa reisten Nicholas Campion, Geoffrey Cornelius, Darby Costello, Kim Farnell und Melanie Reinhart (England), Lynn Bell (Frankreich), Karen Hamaker-Zondag, Joyce Hoen, Lea Manders (Niederlande) und Adrian Ross Duncan (Dänemark) an. Luis Lesur aus Mexiko repräsentierte als Einziger die lateinamerikanische Astrologieszene.

Raymond A. MerrimanDie Beiträge waren insgesamt von hoher Qualität. Allerdings konnte man sich nicht ganz des Eindrucks erwehren, dass es momentan aus dem Astrologenhimmel nicht viele neue Erkenntnisse zu regnen scheint. Aber die UAC ist und bleibt ein Happening. Begegnung und Austausch werden hier ganz gross geschrieben. So boten auch diesmal zahlreiche Anlässe die Möglichkeit, sich näher kennen zu lernen oder alte Bekannte wieder zu treffen. Dort, wo die Dinge sich nicht spontan ergaben, half man auch einmal mit Gott Merkur etwas nach. So erhielten beispielsweise Teilnehmer unter fünfunddreissig Jahren die Gelegenheit, mit Referenten des Kongresses, die sich für diese Aktion zur Verfügung gestellt hatten, direkt Kontakt aufzunehmen und sich gemeinsam auf einen Drink zu treffen. Zudem wurde ein «Panel» veranstaltet, an dem Vertreter der neuen Generation von bekannten Astrologen (innen) vorgestellt und in die Szene eingeführt wurden. Von einem innovativen Geist beflügelt war ebenfalls die Diskussion um das Thema «Ethik in der Astrologie». Neben spezifischen «Ethic-Codes», die von den drei Organisationen herausgegeben werden und bestimmte Richtlinien für die astrologische Beratung beinhalten, bieten ISAR und NCGR bereits spezielle Ethik-Trainings an. Ein wegweisendes Projekt – Nachahmung erlaubt!

Lois M. RoddenEbenso wie der Zukunft der Astrologie wurde auch ihrer Vergangenheit gedacht. Zu Ehren der verstorbenen Marion D. March fand ein grosses Bankett statt, in dessen Rahmen die «Regulus Awards» verliehen wurden, die an jeder UAC für besondere astrologische Leistungen und Verdienste vergeben werden. Dabei beteiligte sich die Marion-D.-March-Stiftung an jedem der fünf Preise mit je 1000 Dollar. Die Gewinner der fünf Preiskategorien waren: Robert Zoller für die Kategorie «Entdeckung, Forschung und Innovation», Joanne Wickenburg für den Bereich «Schulung», Demetra George für ihre Verdienste um «Theorie und Wissensvermittlung», Ronnie Gale Dreyer für den «Dienst an der astrologischen Gemeinschaft» und Nicholas Campion für die Förderung des «Professionellen Images» der Astrologie. Eine Ehrung erfuhren auch Ray Merriman und Lois M. Rodden: ISAR zeichnete seinen ehemaligen Präsidenten, den Börsenastrologen Merriman, für seine engagierte Organisationsarbeit aus, die UAC-Leitung ehrte Mrs. Rodden für ihr Lebenswerk, den Aufbau der AstroDatabank, einer seit Jahrzehnten ständig grösser werdenden Sammlung astrologischer Daten. Durch den Abend führten Gloria Star und Glenn Perry, die das gekonnt machten. Sie und alle Beteiligten sorgten dafür, dass der Abend zum Höhepunkt des Kongresses wurde und so endete, wie er begonnen hatte: mit viel Pathos, Glamour und Humor.

- Alexandra Klinghammer

 

zurück