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Heftnummer 173 bestellen
 
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Astro-logische Merk-Würdigkeiten
 

Unter Designern und «Verpackungskünstlern»
 
von Barbara Egert
 


 

In den 20er-Jahren des vorigen Jahrhunderts revolutionierte das Bauhaus das Aussehen der uns umgebenden Dinge: Die Form sollte der Benutzung dienen und nicht dem Ruhme dessen, der sie entwarf. Ein Türgriff öffne die Tür und demütige nicht den Benutzer, der nicht weiss, ob er nach oben, nach unten, nach links oder nach rechts drücken muss. Das gleiche Prinzip gilt für Wasserhähne in Badewannen, besonders auf Reisen und ganz besonders auf designten Reisen, also solchen, bei denen ein imaginärer Designer mitreist, der, bevor man überhaupt am Reiseziel angekommen ist, drei Fernbedienungen über die Wohnung verstreut, jede mit 37 Tasten, sodass man 111 Möglichkeiten hat, das TV-Gerät in Gang zu setzen, um zu erfahren, was in der Welt so los ist.

Wer ist dieser Designer, fragte ich mich, als ich nach einer Woche immer noch nicht verstanden hatte, welche Hebel zusammenspielen müssen, um dem Badewasser die Temperatur zu entlocken, die ich mir erhoffte? Das kann nur ein verrückter Uranier sein, schimpfe ich vor mich hin, der einen mit seiner Originalitäts- und Profilierungssucht um den gesunden Menschenverstand bringt.

Ein enger Verwandter des Designers ist der «Verpackungskünstler», der uns in abgrundtiefe Verzweiflung stürzen kann. Nur gut, dass man damit nicht alleine ist: In nur einem Jahr verletzten sich in Deutschland zirka 49000 Verbraucher beim Öffnen der von Saturniern und Plutoniern oder einem träumenden, immerhin gutwilligen Neptunier hergestellten komplizierten Verpackungen. Die Versuche, mit Schraubenziehern, Messern und Zangen den Verschlüssen beizukommen, endeten häufig im Krankenhaus, weil die Verbraucher sich Schnitt- und Stichwunden, Verstauchungen und Prellungen zuzogen.

Die Hitliste der Öffnungsprobleme führen Käse- und Wurstbehälter, Kaffee und Trockenhefe an. Aber auch Laschen an Konservendosen brechen ab, Eisbehältnisse eines führenden Eisherstellers sind ein Fiasko, weil der Deckel sich – zum Teufel auch: siehe Hölle (weiter unten) – nicht abheben lässt, der Fingernagel abbricht, das spitze Messer in die Hand sticht, das Wundpflaster – besonders das «Aqua protect» – so verpackt ist, dass man verblutet, bevor man überhaupt einen Löffel Eis gegessen hat, abgesehen davon, dass dieses bereits schmilzt. Pluto zeigt hier seine sadistischen Gelüste, vielleicht hegt er auch archaische Rachegefühle gegen alle, die etwas geniessen wollen oder einem vermeintlichen Kaufrausch erlegen sind, und tüftelt schadenfroh an noch öffnungsresistenteren Verpackungen.

    Saturn mit seiner Gewissenhaftigkeit und seinem Sicherheitsbedürfnis – also zum Beispiel Scheren so zu verpacken, dass man sich zwar einen Finger brechen kann, die Schere aber nicht Schuld an den Verletzungen ist – sollte sich folgende Testergebnisse einmal durch den Kopf gehen lassen: PinchPull-Force-Tester prüften, wieviel Kraft ein Mensch braucht, um Laschenverpackungen zu öffnen. Das Resultat: Die Grundeinheit von Kraft betrug 11 Newton. Aber der Kraftaufwand für das Öffnen von Käseschalen beträgt bis zu 22 Newton. Fazit: 95 % der Bevölkerung hat Probleme mit diesen absurden Verpackungen. Also versucht man, weil die Fingerkraft und magisches Denken nicht ausreichen und Werkzeuge gerade nicht zur Hand sind, mit seinen Zähnen die Plastikhülle zu zernagen, was einen geradewegs zum Zahnarzt führen kann. Leistungsfähigere Werkzeuge wie Bohrer und Säge könnten das gekaufte Produkt in tausend Einzelteile zerlegen, was einem – bei technischen Produkten – immerhin erspart, die unverständliche Gebrauchsanleitung zu lesen … Allerdings verliert man jeglichen Garantieanspruch.

Bevor sich Designer und «Verpackungskünstler» in der Hölle wiedersehen, üben sie schon mal in der Vorhölle das Entpacken verschweisster Verpackungen. Erst wenn ihnen das wundenfrei gelingt, empfängt sie der Designer-Gott, der so ganz anders ist, als sie und die Kreationisten, also jene, die nicht unbedingt vom Affen abstammen möchten, ihn sich vorgestellt haben. Er entpuppt sich nämlich als der, der er immer war: ein gefallener Engel, der immer alles besser weiss …

Es gibt auch Designer, die in den konventionellen Himmel kommen. Max Bill beispielsweise mit Venus, Mars, Mond und Merkur im sechsten Haus und einem Trigon von Saturn auf Venus hatte (Sachverstand gepaart mit Ästhetik) zum Ziel, maximale Wirkung mit einem Minimum an Material zu erzielen, ganz wie die Natur. Was uns umgibt, sollte schön und einfach zu bedienen sein, dann fühle sich auch der Mensch besser. Was will man mehr? …
 


Barbara Egert, geprüfte Astrologin DAV, jahrzehntelange Astrologieerfahrung, lebt und arbeitet in Berlin; Bücher: «Hochsensibilität im Horoskop» (2012), «Krisen im Horoskop erkennen» (2011), «Kindheitserfahrungen im Horoskop» (2009), «Wenn die Kindheit Schatten wirft. Beziehungen. Hochsensibilität. Narzissmus» (2014); ständige Mitarbeiterin von ASTROLOGIE HEUTE, E-Mail: Barbara Egert

 

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